Forschungsschwerpunkte
Julia Burbullas Forschung untersucht die strukturellen Bedingungen, unter denen sich Kompetenz in räumlichen und organisationalen Transformationsprozessen herausbildet. Die Frage, wie Individuen und Organisationen sich weiterentwickeln – und welche räumlichen, materiellen und institutionellen Voraussetzungen dafür notwendig sind –, verbindet ihre historisch-theoretischen Arbeiten mit anwendungsorientierten Projekten.
Forschungsthemen
- Transformation von Arbeits- und Lernumgebungen (u. a. Diversität, Future Skills, Nachhaltigkeit)
- Konzepte räumlicher Ambidextrie
- Materialkulturen und Zeichensysteme der Arbeit
- Raumkulturen, -theorien und -kompetenz
- Historische Transformationsphasen (Sattelzeiten): Raum, Wissen und gesellschaftliche Ordnung
- Wissenskuratierung und Wissenstransfer in Organisationen
Kooperationsprojekte (ab 2020)
Kooperationsprojekte verbinden wissenschaftliche Fragestellungen mit konkreten Gestaltungs- und Transformationsaufgaben. Die Zusammenarbeit mit Design- und Architekturbüros, Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Forschungseinrichtungen ermöglicht es, räumliche und organisationale Fragestellungen unter realen Bedingungen zu untersuchen – und Erkenntnisse direkt in anwendungsorientierte Konzepte zu überführen. Die aufgeführten Projekte entstanden überwiegend in Kooperation mit der Universität Bern und wurden durch die Innosuisse – Swiss Innovation Agency gefördert.
Wandlungsfähigkeit by Design (2026–)
Wandlungsfähigkeit ist für viele Organisationen ein strategischer Anspruch – aber selten eine tatsächlich entwickelte Kompetenz. Dieses Projekt begleitet ein Finanzunternehmen dabei, Wandlungsfähigkeit nicht als Haltung zu deklarieren, sondern als strukturell verankerte Fähigkeit zu entwickeln. Im Zentrum stehen die Frage, welche individuellen und organisationalen Voraussetzungen dafür notwendig sind, und die Entwicklung von Formaten, die Lernen und Arbeiten als untrennbare Praxis begreifen. Das Projekt verbindet Steuerungsebene und operative Führungsebene und arbeitet mit verkörperten Lernformaten, die Kompetenzentwicklung jenseits klassischer Wissensvermittlung ermöglichen. Kooperation mit einem Finanzunternehmen.
Wissenschaftlicher Output: Ein empirisch entwickeltes Reifegradmodell organisationaler Wandlungsfähigkeit sowie erprobte Lern- und Interventionsformate, die den Aufbau dieser Kompetenz auf Individual- und Organisationsebene strukturieren.
Wirkungsrichtung: Organisationen erhalten ein differenziertes Instrument, um Wandlungsfähigkeit gezielt zu diagnostizieren, zu entwickeln und in bestehende Führungs- und Lernstrukturen zu integrieren – statt sie als kulturellen Appell zu formulieren.
Raumkompetenz als Erfolgsfaktor im Finanzsektor (2024–2025)
Volatile Märkte und digitale Transformation verlangen von Finanzunternehmen echte Wandlungsfähigkeit – die nicht allein durch Technologie entsteht. Dieses Projekt setzt Raumkompetenz gezielt als strategischen Hebel für Veränderung und Zusammenarbeit ein. Mitarbeitende lernen in praxisnahen Formaten, ihre Arbeitsumgebung bewusst als Ressource für agile Prozesse und gemeinsame Lösungsentwicklung zu nutzen. Kooperation mit einem Finanzunternehmen.
Wissenschaftlicher Output: Ein empirisch gestütztes Kompetenzmodell, das Raumkompetenz als Treiber organisationaler Wandlungsfähigkeit konzeptualisiert und für den Finanzsektor operationalisiert.
Wirkungsrichtung: Organisationen erhalten ein erprobtes Format, das Mitarbeitende befähigt, Arbeitsumgebungen aktiv und strategisch zu nutzen – statt sie als gegebene Rahmenbedingung hinzunehmen.
Architektur-Consulting 21 (2024)
Klassisches Architektur-Consulting endet mit der Fertigstellung eines Gebäudes. Dieses Projekt entwickelte ein wissenschaftlich fundiertes Beratungsmodell, das Architekt:innen befähigt, ihre Kund:innen auch nach der Übergabe strategisch zu begleiten – bei der Einführung neuer Arbeitsformen, bei Nutzungsanpassungen und in Transformations-Prozessen. Kooperation mit einem Architekturbüro.
Wissenschaftlicher Output: Ein übertragbares Beratungsmodell für die Post-Occupancy-Phase, das die Nachnutzung von Gebäuden erstmals als eigenständiges Beratungsfeld konzeptualisiert und mit organisationstheoretischen Ansätzen unterlegt.
Wirkungsrichtung: Architekturbüros erhalten eine strukturierte Grundlage, um Beratungsmandate über die Bauphase hinaus zu erweitern und Kund:innen in Nutzungs- und Veränderungsprozessen zu begleiten.
Innovationen fördern – Räume für altersgemischte und vielfältige Teams gestalten (2021–2024)
Wie können Arbeitsräume so gestaltet werden, dass Diversität – in den Dimensionen Alter, Geschlecht und kulturelle Prägung – nicht nur berücksichtigt, sondern als Innovationsressource wirksam wird? Dieses Projekt entwickelte bedarfsorientierte Raumkonzepte für inklusive Arbeitsumgebungen und untersuchte deren Wirkung auf Innovationskraft und Zusammenarbeit. Kooperation mit FHNW (Hochschule für Angewandte Psychologie) und drei Unternehmen aus dem Bereich Büro- und Arbeitsplatzgestaltung.
Wissenschaftlicher Output: Empirisch gestützte Gestaltungsprinzipien für inklusive Arbeitsumgebungen, die Diversität als Innovationsfaktor aktivieren – an der Schnittstelle von Raumforschung und Organisationspsychologie.
Wirkungsrichtung: Organisationen erhalten ein evidenzbasiertes Instrument, um Arbeitsräume so zu gestalten, dass alle Teammitglieder – unabhängig von Alter, Geschlecht und kultureller Prägung – ihr Potenzial einbringen können.
Raumgestütztes Lernen – Weiterbildung als Teil des Arbeitsalltags (2022)
Klassische Schulungsräume trennen Lernen vom Arbeitsalltag – mit geringem Praxistransfer. Dieses Projekt entwickelte erstmals ein raumgestütztes Lernkonzept, das Weiterbildung räumlich und inhaltlich in bestehende Arbeitsumgebungen integriert und damit Lernen und Arbeiten strukturell verzahnt. Kooperation mit einem Unternehmen aus dem Bereich Arbeitsplatzgestaltung.
Wissenschaftlicher Output: Ein konzeptueller und empirischer Beitrag zur Aufhebung der strukturellen Trennung von Lernen und Arbeiten durch räumliche Gestaltung – als übertragbares Lernkonzept ohne zusätzliche Infrastruktur.
Wirkungsrichtung: Organisationen können Weiterbildung direkt in den Arbeitsalltag integrieren – mit höherem Praxistransfer und ohne separate Schulungsinfrastruktur.
Modulares Raumkonzept für flexible Innovationsumgebungen (2021)
Spezialisierte Innovationsräume bleiben vielen Organisationen aus Ressourcengründen verwehrt. Dieses Projekt identifizierte strukturelle Barrieren und entwickelte ein modulares, kosteneffizientes Raumkonzept, das flexible Innovationsumgebungen unabhängig von externen Dienstleistern ermöglicht – und durch den bewussten Verzicht auf kurzlebige Ausstattung zugleich ökologische Nachhaltigkeit adressiert. Kooperation mit einem Unternehmen aus dem Bereich Innenausbau und Möbeldesign.
Wissenschaftlicher Output: Verallgemeinerbare Designprinzipien für ressourcenschonende Innovationsräume, entwickelt aus der empirischen Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Ressourcenrestriktionen, Raumgestaltung und Innovationskapazität.
Wirkungsrichtung: Organisationen jeder Größe können damit Innovationsräume aufbauen, die flexibel, kosteneffizient und ökologisch vertretbar sind – ohne Abhängigkeit von spezialisierten Anbietern.
Forschungsprojekte (ab 2020)
Die aufgeführten Projekte spiegeln den aktuellen Schwerpunkt der Forschungstätigkeit wider. Sie bauen auf einer früheren Grundlagenforschung zu Raum, Emotion, Ästhetik und Physik auf, aus der das heutige Verständnis räumlicher Transformationsprozesse hervorgegangen ist.
Handwerk des Wandels (2025–)
Wie wurden "Transformation" und "Wandel" seit Beginn der Moderne räumlich, medial sowie kompetenzfördernd unterstützt – und was lässt sich daraus für Organisationen von heute lernen? Dieses Projekt untersucht historische und gegenwärtige Praktiken des Moduswechsels: jenen strukturellen Wechsel zwischen Exploitation und Exploration, den Branchen wie Theater, High-End-Gastronomie oder Design seit Jahrhunderten institutionell verankert haben. Im Zentrum steht das Konzept der räumlichen Ambidextrie – die Frage, wie Räume, Medien und Formate den Wechsel zwischen unterschiedlichen Handlungs- und Denkmodi nicht nur ermöglichen, sondern trainierbar machen.
Wissenschaftlicher Output: Eine historisch-empirische Untersuchung der räumlichen und medialen Bedingungen von Moduswechsel-Kompetenz – als Grundlage für ein übertragbares Modell organisationaler Ambidextrie.
Wirkungsrichtung: Ein Buch, das Organisationen und Führungskräfte vom Verstehen ins Handeln bringt – gestützt auf Branchen, die den Wandel nicht verwalten, sondern praktizieren.
Creative Engineering und die Wurzeln des Design Thinking (2020–2022)
Wie entstehen bahnbrechende Innovationen, wenn klassische Methoden an ihre Grenzen stoßen? Dieses Projekt untersuchte die Ursprünge und Wirkmechanismen von Creative Engineering – einem Ansatz, der seit den 1950er-Jahren Architektur, Design und Ingenieurwissenschaften verbindet, um radikale Innovationen systematisch zu ermöglichen. Die Forschung rekonstruierte u.a., dass Methoden wie Design Thinking ursprünglich als strategisches Instrument für Führungskräfte und Forschende entwickelt wurden – nicht als Kreativitätstechnik, sondern als Denk- und Handlungsarchitektur für komplexe Herausforderungen. Gefördert durch die Vitra Design Stiftung und publiziert als: The Innovator's Brain (2022)
Wissenschaftlicher Output: Eine historisch-genealogische Analyse der Entstehungsbedingungen von Design Thinking und Creative Engineering – mit dem Nachweis ihrer strategischen, nicht bloß methodischen Herkunft.
Wirkungsrichtung: Organisationen und Führungskräfte erhalten ein fundiertes Verständnis dafür, warum gestalterisches Denken als Führungskompetenz wirksam ist – und nicht als Workshop-Format.